Allerronn XI - Der Bann von Melvir

29. - 31. 07. 2016  Waldpädagogikzentrum Haus Rotenberg in 37412 Pöhlde, Harz


"...müssen uns dringend über die laufenden Kosten unterhalten. Das sind jede Menge Veteranen, tapfere Helden ohne die das Land Allerronn so nicht mehr existieren würde... naja, jedenfalls müssen die unterhalten werden!" Der Schatzmeister kratzte sich verlegen am Bart, denn er konnte sich denken wie der junge Freiherr Gerold von Graustein zu Melvir reagieren würde. Schon zu oft hatte er versucht diese Diskussion zu führen.
Freiherr Gerold starrte aus dem Fenster auf die Gestalten vor dem Burgtor. Dann drehte er sich langsam um und bemühte sich ruhig zu bleiben. Sein Blick wanderte zu seinem Schatzmeister.
"Du hast meinem Vater gut gedient. Auch mögen diese...ähm... Soldaten damals gut gekämpft haben. Aber: Das ist lange her. Und wenn ich noch EINMAL den Ausdruck "Der Dunkle Graf" aus deinem Munde höre, dann kannst du dich gerne in die Schlange von angeblichen Veteranen einreihen, die seit Ewigkeiten vor meiner Burg rumlungert!" Gerold atmete tief ein um seine Beherrschung zu bewahren. Er legte ein starres Lächeln auf und sprach weiter:
"Wir müssen sie unterhalten sagst du, ja? Da geb ich dir sogar Recht! Denen ist langweilig seit sie nichts mehr zu tun haben, sie kommen auf die unglaublichsten Ideen und Gedanken... und wie hält man einen Krieger vom Denken ab? Richtig, man gibt ihm etwas zu tun! Mach eine Ausschreibung..." 
Der Schatzmeister versuchte dem Gedankengang seines Herrn zu folgen und machte sich halbherzig Notizen.
Was für eine halbgare Ausrede würde ihm wohl heute einfallen um diese verarmten Soldaten nicht unterstützen zu müssen?
Gerold begann im Zimmer auf- und abzulaufen während er laut nachdachte "Die können sich doch mal um die Barbaren kümmern, die seit Neuestem meine Dörfer überfallen. Hast du gehört was hier im Nordwald von Graustein passiert ist? Was fällt denen ein... jahrelang leben wir friedlich nebeneinander, Grenze an Grenze, da hat man endlich Ruhe und was machen diese Wilden? Sie kommen gleich Scharenweise an und meine sich nehmen zu dürfen was sie wollen!" Gerold hieb mit der Faust auf den Tisch.
"Und die Bauern reden schon wieder von "dunklen Schwingen" und "geisterhaften Gestalten"... diese armen Tölpel sind damit aufgewachsen von irgendeiner "dunklen Macht" bedroht zu werden, kein Wunder dass jetzt wieder solche Geschichten auftauchen." Er lachte abfällig.
Der Schatzmeister zuckte zusammen. Auch er hatte gehört von "dem Schatten, der sich in Melvir erhebt". Hatte der Freiherr recht? Waren das nur Hinrgespinste einer traumatisierten Bevölkerung? Waren es wirklich nur die Barbaren, die vertrieben werden musste? Hastig schrieb er ein paar Stichworte auf. "Barbaren, Hilfe, Veteranen, Krieger, Belohnung".
Freiherr Gerold war erneut am Fenster angekommen und sah hinaus. Wieder lachte er. "Guck sie dir an... wir brauchen Krieger und Helden! Keine halbverhungerten Veteranen. Lass sie mitmachen, dann lungern sie wenigstens nicht mehr hier rum und verschandeln mir die Aussicht. Sie sollen meinetwegen auch einen Sold bekommen... aber übertreibs nicht, hörst du?"